Ein Beitrag von Michael Haas, Marie Euler und Nele Klatt
KI ist Teil der kindlichen Lebensrealität
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Sie ist längst Teil des Alltags und prägt viele digitale Angebote, mit denen auch schon kleine Kinder in Berührung kommen.
Wenn die nächste Folge einer Serie automatisch startet, eine Streaming-Plattform neue Videos vorschlägt oder eine App Inhalte personalisiert anzeigt, arbeiten im Hintergrund KI-Systeme. Sie analysieren Nutzungsverhalten, treffen Vorhersagen und steuern, was als Nächstes angezeigt wird. Für viele Erwachsene sind diese Mechanismen kaum nachvollziehbar. Für Kinder bleiben sie meist vollständig unsichtbar.
Aktuelle Studien wie die mini-KIM (2023) zeigen, dass bereits Kita-Kinder regelmäßig digitale Medien nutzen. Sie schauen Fernsehen, nutzen verschiedene Streaming-Dienste oder sehen sich Online-Videos an. Einige haben auch Zugang zu eigenen Geräten, wie ein Tablet, oder sie nutzen die Apps auf den Geräten ihrer Eltern. Darüber kommen sie frühzeitig, meist indirekt, mit KI-Systemen in Kontakt.
Viele dieser Angebote werden von Algorithmen und KI-Systemen gesteuert. Sie entscheiden mit, welche Inhalte empfohlen werden, welche Bilder besonders präsent sind und wie schnell Beiträge hintereinander abgespielt werden und beeinflussen Aufmerksamkeit, Sehgewohnheiten und mediale Vorlieben, ohne dass die Kinder diese Prozesse durchschauen können.
Insbesondere weil KI im Alltag so selbstverständlich und unsichtbar wirkt, ist es wichtig, sie in der frühkindlichen Medienbildung mitzudenken. Denn Kinder nehmen Medienangebote unmittelbar, bildhaft und wörtlich wahr. Kommerzielle Interessen oder technische Steuerungsmechanismen können sie noch nicht einordnen.
KI in der Kita: Werkzeug im Hintergrund, Beziehung im Vordergrund
Künstliche Intelligenz ist vor allem als Werkzeug und nicht als pädagogische:r Akteur:in zu verstehen. KI-Anwendungen können Fachkräfte zwar unterstützen, sollen dabei aber keine zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen. Wenn es um KI in der Kita geht, liegt der wichtigste Einsatzort deshalb meist nicht direkt beim Kind, sondern am Schreibtisch der Fachkräfte oder in der Elternarbeit:
ADMINISTRATION UND VERWALTUNG
KI-Anwendungen können im Bereich Administration und Verwaltung vor allem Kita-Leitungen in ihrem stressigen Alltag entlasten und ihnen mehr Zeit für die pädagogische Arbeit verschaffen.
- Unterstützung bei der Dienstplanerstellung
- Vereinfachung der Dokumentation
- Hilfe bei der Inventarisierung
- Automatisches Fristenmanagement
- Entwürfe für Aushänge, Elternbriefe, Merkblätter etc.
SPRACHUNTERSTÜTZUNG UND INKLUSION
Im Bereich Sprachunterstützung ist aktuell schon viel möglich. Vor allem bei Sprachbarrieren zwischen Familien und Erzieher:innen können KI-Anwendungen eine echte Hilfe darstellen.
- KI-gestützte Sprach- und Übersetzungstools für den Austausch mit Familien
- Mehrsprachige Angebote auf der Webseite (z.B. Texte, Videos oder Audios)
- Übersetzung der Webseite oder einzelner Inhalte in leichte Sprache
- Einsatz von assistiven Technologien zur Unterstützung nonverbaler Kinder
Kreative Arbeit
Auch im Bereich der kreativen Arbeit kann man mithilfe von KI bereits viele Aufgaben vereinfachen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Vorschläge der KI-Anwendung zwangsläufig besser sind als eigene Ideen. Hier ist es wichtig, dass Fachkräfte auf die eigene Expertise vertrauen.
- Ausmalvorlagen zu bestimmten Themen erstellen
- Inspiration für neue Projekte sammeln
- Bilder oder Videos generieren (z.B. für Geschichten)
Medienpädagogische Empfehlungen für Kitas
1. Bildschirmzeiten für Drei‑ bis Sechsjährige möglichst kurz halten.
2. Digitale Angebote immer gemeinsam mit Kindern nutzen und pädagogisch rahmen.
3. Medienerlebnisse der Kinder regelmäßig zum Thema machen: „Was schaust du gern, was magst du gar nicht?“
4. Einen Team‑Kodex beschließen: Welche digitalen Werkzeuge setzen wir ein? Welche Daten von Kindern bleiben konsequent offline?
5. Eltern transparent darüber informieren, wie die Kita mit Medien und KI umgeht und Erfahrungen aus den Familien aufnehmen.
FAZIT: Kinder stark machen für eine Welt mit KI
Die Nutzung und Integration von künstlicher Intelligenz in den Alltag wird zunehmend selbstverständlicher. Kinder wachsen in eine Umgebung hinein, in der algorithmische Systeme Inhalte auswählen, Vorschläge machen und Entscheidungen vorbereiten. Diese Realität muss pädagogisch bewusst begleitet werden. Gerade in der frühkindlichen Bildung ist die Beziehung zu den Kindern wichtiger als der Einsatz effizienter Technologien. Gleichzeitig kann KI Fachkräfte entlasten, Impulse geben und Barrieren abbauen. Sie darf jedoch weder nicht pädagogische Entscheidungen übernehmen noch die Interaktion mit den Kindern ersetzen. Deshalb braucht es klare Rahmenbedingungen, die konsequente Berücksichtigung des Datenschutzes und die gemeinsame Reflektion von Medienerlebnissen. So kann KI verantwortungsvoll eingebunden werden.
Quellenverzeichnis
Aktion Mensch (o. J.): Barrierefreie Bildung mit assistiven Technologien (Barrierefreie Bildung mit assistiven Technologien | Aktion Mensch)
Betzold (2025): Künstliche Intelligenz im Kindergarte: Praxistipps (KI in der Kita – Praxisideen | Betzold Blog)
Bundeszentrale für politische Bildung (2023): Frühe Medienbildung und Medienkompetenzförderung in Kindertagesstätten (Frühe Medienbildung und Medienkompetenzförderung in Kindertagesstätten | Medienkompetenz in einer digitalen Welt | bpb.de)
Deutsches Kinderhilfswerk (o. J.): Geht KI auch kindgerecht? (Geht KI auch kindgerecht?: Deutsches Kinderhilfswerk)
Fröbel (2025): „Die KI-ta für NRW – Künstliche Intelligenz für moderne und zukunftsfähige frühkindliche Bildung“ (Transparenzoffensive „Kita-Qualität“)
Katholino (2025): Stellungnahme der Katholino Kitas im Erzbistum Köln gGmbH (2025-10-24_stellungnahme_katholino_die-ki-ta-fur-nordrhein-westfalen.pdf)
KEG Bayern (2025): Vorschulkinder und digitale Medien (KEG Bayern: Vorschulkinder und digitale Medien)
Kindergartenakademie (o. J.): KI im Kindergarten: Wie künstliche Intelligenz den KITA-Alltag beeinflusst (KI im Kindergarten: Chancen, Beispiele & Tipps)
Klicksafe (2025): Bildschirmzeit: Kinder von 0-6 Jahren (Bildschirmzeit: Kinder von 0-6 Jahren)
Medienzentrum Aachen (2024): Neue wissenschaftliche Publikation. Handlungsempfehlungen für Kitas (Neue wissenschaftliche Publikation – Euregionales Zentrum für digitale Bildung)
MKFFI NRW (2019): Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung (Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung)
Mpfs (2023): miniKIM-Studie 2023 – Kleinkinder und Medien (miniKIM-Studie 2023)
nifbe e. V. (2020): Medien im Leben von Klein- und Vorschulkindern (Medien im Leben von Klein- und Vorschulkindern – nifbe e.V.)
Wamiki (2025): Künstliche Intelligenz in der KITA? (KI-in-der-Kita_2_2025.pdf)