Was ist Rundfunk?
Wenn von Rundfunk die Rede ist, dann sind damit sogenannte lineare Bewegtbild- oder Audioangebote gemeint. Das bedeutet, wenn der Fernseher oder das Radio eingeschaltet wird, läuft in einem Sender für alle zur gleichen Zeit dasselbe Programm. Anders ist das bei Streaming-Diensten (z.B. Netflix, Disney+) oder Videoportalen (z.B. YouTube). Hier entscheiden die Nutzer:innen selbst, wann sie welche Inhalte ansehen oder anhören und können diese jederzeit pausieren oder neu starten. Auch wenn viele Fernsehgeräte inzwischen Internetnutzung haben und solche Angebote direkt abspielbar sind, zählen sie nicht automatisch zum Rundfunk.
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Werberegelungen in Fernsehen und Radio
Die werberechtlichen Regelungen für den Rundfunk sind im Medienstaatsvertrag festgelegt. Obwohl der Rundfunk grundsätzlich Ländersache ist, sind dort einheitlich geltende Vorgaben geregelt. Im Hinblick auf Werbung sind dort unteranderem, die zulässigen Ausstrahlungszeiten sowie inhaltliche Grenzen definiert. Ziel dieser Regelungen ist es, die Zuschauer:innen zu schützen und die redaktionelle Unabhängigkeit zu sichern.
SCHON GEWUSST?
Laut Medienstaatsvertrag gelten alle Inhalte, die den Absatz von Waren oder Dienstleistungen fördern – direkt oder indirekt gegen Bezahlung, als Werbung. Dazu zählen nicht nur klassische Werbespots, sondern auch:
Klare Regeln für Werbung
Ein zentraler Grundsatz lautet: Werbung darf nicht täuschend oder irreführend sein. Deshalb muss sie klar vom redaktionellen Inhalt getrennt sein. Wird Werbung in Sendungen integriert, muss sie zu Beginn und am Ende entsprechend gekennzeichnet werden. Auch Produktplatzierungen müssen transparent gemacht werden. In bestimmten Formaten gelten besonders strenge Regeln. So darf in Nachrichtensendungen oder Informationsformaten keine versteckte Werbung vorkommen. Außerdem ist es Moderator:innen von Nachrichtensendungen untersagt, in Werbespots aufzutreten.
Inhaltliche Grenzen: Was Werbung nicht darf
Auch inhaltlich gibt es klare Vorgaben. Werbung darf weder diskriminierend sein noch die Menschenwürde verletzen. Für bestimmte Produkte gilt sogar ein Werbeverbot. Seit Januar 2024 besteht beispielsweise ein umfassendes Werbeverbot für Tabakerzeugnisse (Zigaretten, Tabak etc.). Auch für politische oder religiöse Werbung gelten besondere Kennzeichnungspflichten. Neben gesetzlichen Vorgaben spielt auch die freiwillige Selbstregulierung der Werbewirtschaft eine wichtige Rolle. Der deutsche Werberat, getragen vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), überprüft regelmäßig Werbekampagnen. Dabei orientiert er sich an eigenen Verhaltensregeln, dem sogenannten Werbekodex, und ergänzt damit die gesetzlichen Vorgaben. Der Werbekodex umfasst unter anderem Themen wie Diskriminierung, Sexismus, Gewalt sowie den Einsatz von Kindern in der Werbung.
Öffentliche-rechtlich vs. privat: Wo liegen die Unterschiede?
Beim genaueren Blick auf die Werberegelungen fällt auf, dass es erhebliche Unterschiede zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern gibt.
SCHON GEWUSST?
In Deutschland gibt es seit Anfang der 1980er Jahre ein duales Rundfunksystem. Es gibt öffentlich-rechtliche Sender (z.B. ARD, ZDF) & private Sender (z.B. RTL, Sat.1) Im Jahr 1984 ging der erste private Fernsehsender an den Start, Sat.1. Damals noch unter dem Namen PKS. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen festen Programmauftrag und sollen alle Gruppen der Bevölkerung umfassend informieren. Finanziert werden sie durch den Rundfunkbeitrag, den jeder Haushalt in Deutschland zahlen muss. Die privaten Sender finanzieren sich überwiegend durch Werbeeinnahmen.
Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist Werbung stärker reglementiert. Pro Werktag dürfen im Jahresdurchschnitt maximal 20 Minuten Werbung gezeigt werden. Nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen darf gar keine Werbung laufen. Bei den privaten Sendern ist das anders. Sie sind maßgeblich auf die Werbeeinnahmen angewiesen und richten ihr Programm stärker an Einschaltquoten aus. Doch auch hier gibt es klare Grenzen. So darf die Werbung insgesamt maximal bis zu 20 Prozent der täglichen Sendezeit ausmachen. Für das Kinder- und Jugendprogramm gelten zusätzliche Schutzregelungen. Im öffentlich-rechtlichen Jugendangebot ist Werbung vollständig verboten. Im privaten Rundfunkt ist Werbung zwar grundsätzlich erlaubt, sie unterliegt aber besonderen Einschränkungen, so darf sie beispielsweise nur zwischen einzelnen Programmpunkten platziert werden, nicht aber innerhalb von Sendungen.
Warum Werberegeln wichtig sind
Werberegelungen sollen irreführende Versprechen, versteckte Kosten oder aggressiven Druck verhindern und gleichzeitig für einen fairen Wettbewerb sorgen. Besonders wichtig ist die klare Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung vor allem im Hinblick auf das junge Publikum. Denn insbesondere Kinder haben oft Schwierigkeiten, Werbung als solche zu erkennen. Zudem gewährleisten diese Regeln, dass Werbung nicht beliebig Inhalte überlagert oder sie manipulativ einbettet. So können sie dazu beitragen das Vertrauen der Zuschauer:innen in Medien zu stärken und sie gleichzeitig vor manipulativer Beeinflussung und irrationalen Kaufentscheidungen zu schützen.
Werberegeln im Wandel: Von Rundfunk bis Online-Medien
Ein Blick in die aktuelle JIM-Studie zeigt: Lineares Fernsehen verliert für viele Heranwachsende an Bedeutung. So nennen rund 24% der befragten Jugendlichen Netflix als ihren liebsten „Fernsehsender“ (JIM-Studie 2025). Im Bereich Hörfunk geben noch 27% an, täglich Radio zu hören. Gerade im Hinblick auf Werbung ist diese Entwicklung besonders relevant. Während für den klassischen Rundfunk klare gesetzliche Regelungen gelten, ist die Werbepraxis in Online- und Streamingangeboten oft deutlich unübersichtlicher. Werbung ist hier häufig weniger klar gekennzeichnet und stärker in Inhalte eingebunden, was es insbesondere für Kinder schwierig macht sie zu erkennen. Es ist daher wichtig, nicht nur die Werberegelungen im Rundfunk zu kennen, sondern auch die Unterschiede zu digitalen Werbeformen zu verstehen und einordnen zu können. Medienpädagogische Angebote bieten dabei eine wichtige Unterstützung, um Werbekompetenz zu fördern und Orientierung im Umgang mit unterschiedlichen Werbeformen zu geben. Wenn euch interessiert, wie Werbung in Online-Medien gekennzeichnet wird und welche Rolle In-Game-Werbung, etwa auf Roblox spielt, findet ihr dazu weitere Beiträge in unserem Medienjournal.